Der Rentenbescheid - prüfen und nachbessern lassen

Inhalt

  1. Ist wirklich jeder dritte Rentenbescheid falsch?
  2. Kann ich meine Rente jederzeit nachberechnen lassen?
  3. Meine Empfehlung
  4. Erforderliche Unterlagen

Ist wirklich jeder dritte Rentenbescheid falsch?

Nun, es kommt darauf an, ob

  • bereits im Vorfeld die richtigen Anträge gestellt wurden,
  • die Angaben im Antrag vollständig gewesen sind,
  • die Zeiten durch den Rententräger nicht nur vollständig sondern auch korrekt gespeichert wurden, etwa Entrichtungsbereiche oder Zeiten der beruflichen und schulischen Ausbildung,
  • Angaben zum Versicherten korrekt erfasst wurden, etwa Vorrentenbezug oder Vertrauensschutztatbestände,
  • Angaben zum Versorgungsausgleich korrekt erfasst wurden,
  • der Leistungsfall bei Erwerbsminderungsrenten korrekt erfasst wurde,
  • der gültige Rechtsstand angewandt wurde,
  • Besitzschutzregelungen oder die Regelungen zum Zugangsfaktor korrekt angewandt wurden,
  • Zeiten der Glaubhaftmachung korrekt bewertet wurden (Wirtschaftsbereich, 5/6- oder 6/6-Bewertung),
  • usw.

Dies waren nur einige der möglichen Fehlerquellen, die mit gewisser Regelmäßigkeit festzustellen sind. Viele Fehler liegen im Detail und sind durch das bloße Abgleichen des Versicherungsverlaufes (Anlage 2 des Rentenbescheides) nicht erkennbar. Somit nutzt auch des beste Nachberechnungsprogramm wenig, wenn die falschen Angaben übernommen werden. Für den Laien, selbst aber für Versichertenälteste, Berater in den Behörden, Gemeinden, Verbänden oder Vereinen, die regelmäßig mit der Rente zu tun haben, sind diese Fehler nicht (ohne Weiteres) erkennbar. Einen Rentenbescheid zu prüfen erfordert letztlich Zeit, je nach Versicherungsverlauf sogar sehr viel Zeit.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass das Nachtragen einer fehlenden Zeit auf Grund der Besonderheiten des Rentenrechts auch dazu führen kann, dass die Rentenanwartschaft geringer wird. Dies ist besonders im Hinblick auf die Mindestentgeltpunkte gem. § 262 SGB VI zu beachten. Eine (nachträglich) nachgewiesene Zeit kann aber auch eine günstigere Bewertung im Rahmen der Glaubhaftmachung verdrängen. Diese Problematik ist bei einer Rentenbescheidprüfung ebenfalls zu berücksichtigen.

Kann ich meine Rente jederzeit nachberechnen lassen?

Ja, dies stellt grundsätzlich kein Problem dar. Allerdings sind die Kosten der Nachberechnung bzw. Rentenprüfung dann auf jeden Fall von Ihnen zu tragen, unabhängig davon, ob die Prüfung einen Fehler ergeben hat.

Soweit ein Fehler in der Rentenberechnung vorhanden ist, ermöglicht ein sog. überprüfungsantrag bzw. Zugunstenantrag nach § 44 SGB X eine rückwirkende Korrektur. Rentennachzahlungen werden dann - wie jede Nachzahlung einer Sozialleistung - maximal für die letzten 4 Kalenderjahre vor Antragstellung erbracht.

Meine Empfehlung

Der Rentenbescheid ist "nur" das Ende eines langen Weges. Im Vorfeld hat der Rententräger mit großer Sicherheit bereits Feststellungsbescheide über die Rentenzeiten im Rahmen der Kontenklärung erlassen. Liegt ein solcher Feststellungsbescheid vor und wurde bestandskräftig (d. h. nicht mit einem Widerspruch angefochten), ist eine änderung des Rentenbescheides wegen dieser falschen Zeiten grundsätzlich nicht im Widerspruchsverfahren möglich.

Ich rate daher, bereits die Feststellungsbescheide und später den Rentenbescheid prüfen zu lassen, alles innerhalb der Widerspruchsfrist von einem Monat. Sollte sich ein Fehler ergeben haben, kann dieser dann im Wege des Vorverfahrens korrigiert werden. Die Kosten des Verfahrens werden dann (zumindest teilweise) von der Behörde erstattet (vgl. dazu Gebühren, Kostenerstattung).

Erforderliche Unterlagen

Zur Prüfung des Rentenbescheides werden grundsätzlich folgende Unterlagen benötigt:

  • Lebenslauf, insb. mit Aussagen zu Ausbildungszeiten (Schule, Lehre, Studium), Krankheitszeiten, Zeiten der Arbeitslosigkeit, Zeiten der Kindererziehung, Zeiten eines früheren Rentenbezuges oder geklärten Lücken,
  • Vollständige Kopie Ihrer Rentenunterlagen wie: SV-Ausweise (DDR-Zeiten), SV-Hefte, Meldebestätigungen des Arbeitsamtes oder der Krankenkasse bei Bezug von Arbeitslosen- oder Krankengeld, Wehrpass, bisherige Bescheide der Rententräger usw.
  • Geburtstage der Kinder,
  • Angabe, ob ein Behinderungsgrad vorliegt, ggf. wie hoch.

Bitte haben Sie Verständnis, dass auf Grund der Vielzahl von Besonderheiten im Bereich der Rentenberechnung und Zeitenanerkennung, Nachfragen des Rentenberaters eher die Regel als die Ausnahme sein werden und ggf. noch andere Unterlagen angefordert werden.


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